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Der Automarkt

[…] Die Geschäfte liefen auch die nächsten Jahre gut. Solange, bis der junge Kiefer dem Größenwahn anheimfiel. Der ehemalige Koch verbuchte den Erfolg einzig und allein auf sein Konto, er wurde hochnäsig und behandelte die anderen Mitarbeiter von oben herab. Dieses Verhalten hatte Folgen.

Fünf Verkäufer waren mittlerweile am Werk, und einer davon hieß Ivo Kegalj, ein in Deutschland aufgewachsener Kroate. Alter Hase im Autogeschäft, Verkaufsgenie und Spezialist für Reimport. Allerdings ist Kegalj nicht nur ein brillanter Verkäufer, sondern auch ein Mann klarer Worte. Einer, der kein Blatt vor den Mund nimmt, wenn ihm was gegen den Strich geht, und so sagte er nach nur sechs Monaten seiner Tätigkeit:

»Mit dem jungen Kiefer arbeite ich nicht mehr zusammen. Diesem Menschen fehlt es an Kompetenz, er ist faul und respektlos, und ich lasse mir seine Frechheiten nicht länger gefallen. Auch für gutes Geld nicht.«

Kegalj kündigte kurzerhand, packte seine sieben Sachen und fuhr nach Stuttgart, wo der Wochenendpendler mit seiner Familie wohnte.

Erwin Kaeß, der sich nach wie vor um die Diskothek kümmerte und nur einmal die Woche zu einem Informationsgespräch nach Kißlegg fuhr, wusste von den Vorfällen rund um Kiefer jr. nichts, und das war der erste der erwähnten beiden Fehler: Er hatte die Geschäftsführung mal wieder einem anderen überlassen.

Der zweite Fehler hing unmittelbar mit dem ersten zusammen. Der Börsenguru André Kostolany hatte bei seinen Seminaren nicht nur vor verlockenden Renditeversprechen bei Geldanlagen gewarnt, sondern auch gesagt: »Mach nie ein Geschäft zu zweit, wenn du es auch allein machen kannst.« Aber nun hatte Erwin Kaeß seinen Kompagnon plus Sohn am Hals und konnte die beiden nicht wegzaubern.

Fortsetzung im Buch