elektrolehre

Lehrjahre

… Besagter Göppinger kam einige Jahre später als Geselle zu Erwin Kaeß, der mittlerweile sein eigenes Elektrogeschäft führte – mit mehreren Angestellten, unter anderem auch einem Auszubildenden. Eines Tages prüfte der Chef das Berichtsheft des Lehrbuben, und die Texte kamen ihm merkwürdig bekannt vor. Was war passiert? Göppinger hatte seine – von Erwin abgeschriebenen – Berichte dem Lehrling überreicht mit den Worten: »Wenn du gute Berichte abliefern willst, halt dich an meine.«

eis-bodenseeSein schönstes Erlebnis während seiner Ausbildung hatte Erwin im dritten Lehrjahr, denn im Februar 1963 verzeichnet die Bodensee-Chronik ein ganz besonderes Ereignis: die Seegfrörne. Ein einziges Mal im 20. Jahrhundert war der See von einer dicken Eisschicht bedeckt. Schon Ende Januar meldete der Rundfunk: »Der Untersee ist zugefroren und alles strömt aufs Eis.« Der berichtende Reporter glaubte damals nicht, dass der See komplett zufrieren könne, doch zwei Wochen später war es soweit. Ein paar Wagemutige trauten sich mit Schlittschuhen und Skiern aufs Eis, angeseilt und mit einem Boot auf Kufen. Zwei Tage später trafen immer mehr Menschen ein, und schließlich wurde der Bodensee zu einem riesigen Festplatz umfunktioniert. Zehntausende überquerten mit Schlittschuhen, Fahrrädern und Autos den See in allen Richtungen, sogar ein kleines Flugzeug landete auf dem Eis. Eine Prozession von der deutschen auf die schweizerische Seite mit Pfarrer, Ministranten und Fahnenträgern wurde durchgeführt, Stände mit heißer Suppe, Bratwürsten und Glühwein wurden aufgestellt, der zugefrorene See war das Ereignis jenes Winters. Vor dem Ufer türmten sich meterhoch die Eisplatten, an Land fror eine Wasserleitung nach der anderen ein.

Das war der Startschuss für Generos Weber. Mit Material aus seinem umfangreichen Fundus baute der gewiefte Tüftler einen Auftautransformator zusammen, mit dem er bis zu hundert Meter lange Leitungsrohre erhitzen konnte. Mit diesem Gerät und einer auf eine Kabeltrommel gewickelten Verlängerungsschnur fuhr er zum Einsatzort. Dort klemmte er die beiden Anschlussleitungen des Transformators an das eingefrorene Rohr, besorgte mit dem Verlängerungskabel Strom, und der Auftaufvorgang begann. All das musste zügig vonstatten gehen, denn waren die Rohre erst mal eingefroren, dehnte das Eis sich aus und sprengte seine Hülle, was weitere Schäden verursachte. Genau dies galt es zu verhindern.

Fortsetzung im Buch