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Mord im “Zungenkuss”

[…] »Chef, kommen Sie schnell!« Aufgeregt tönte die Stimme des Geschäftsführers der Diskothek aus dem Hörer.

»Was ist denn los?«

»Ein Mann ist schwer verletzt … die Sanitäter sind schon da … die Polizei auch.«

Ach du Schreck! Erwin Kaeß und seine Frau schlüpften wieder in die gerade ausgezogenen Kleider, eilten in die Tiefgarage, warfen sich in den Wagen und fuhren auf schnellstem Weg wieder zu dem Ort, den sie kurze Zeit vorher verlassen. Zwanzig Minuten später kamen sie am Zungenkuss an, bogen auf den Parkplatz ein und sahen schon das Blaulicht des Notarztfahrzeugs blinken, das vor dem Eingang stand. Drumherum steckten Menschen die Köpfe zusammen und tuschelten aufgeregt. Das unheilverkündende Szenario erinnerte an einen Tatort-Krimi am Sonntagabend. Es war aber Freitagnacht, und der Tatort war kein Fernsehfilm, sondern Realität.

Erwin und Heidi Kaeß bahnten sich den Weg durch die Menge zum Rettungswagen und spähten durch die Scheiben ins Wageninnere. Über die Bahre gebeugt, führte der Notarzt die typischen, rhythmischen Bewegungen einer Herzmassage durch.

»Scheiße!«, stieß Erwin hervor, und spontan kamen ihm die Gäste vom vergangenen Abend in den Sinn, die kurz nach 21 Uhr eingetroffen waren. Drei Männer, um die Mitte 30, gemeinsam mit ihrem Chef. Zimmerleute aus Sigmaringen, wie sich später herausstellen sollte. Sie hatten die Holzmesse in Friedrichshafen besucht und wollten den Tag mit einem Diskobesuch krönen. Hatten sie sich anfangs noch unauffällig benommen, waren sie im Laufe des Abends und mit zunehmendem Alkoholkonsum immer mehr auf Krawall gebürstet, pöbelten Bedienungen an, provozierten mit obszönen Gesten andere Gäste, grölten und krakeelten rum, und Erwin Kaeß wurde nach oben gerufen, um mit der Autorität des Chefs für Ruhe zu sorgen. Als er bei der zweiten Randale mit Rausschmiss drohte, nahmen sich die Männer zusammen. Aber offensichtlich nicht für lange, denn einer von ihnen lag nun auf der Bahre im Krankenwagen, dem Tod vermutlich näher als dem Leben.

Erwin und Heidi rannten durch die Eingangstür und dann die Treppe hoch. Die gesamte Diskothek war taghell beleuchtet, sämtliche Lampen brannten, Polizeibeamte liefen hektisch hin und her und riefen: »Alle Besucher sofort raus!«

Die rund 300 Gäste, die um diese Zeit noch da waren, ließen sich aber nicht auf einen Streich nach draußen befördern. Zumal viele von ihnen nicht nur angeheitert, sondern auch sensationslustig waren und unbedingt wissen wollten, was los war. Genau das wollte auch Erwin Kaeß, und er schaute sich nach dem Geschäftsführer um. Der hatte ihn schon erblickt und kam angerannt, mit Ratze auf den Fersen. Ratzes Hände waren blutverschmiert, T-Shirt und Jeans ebenfalls.

»Was ist denn passiert, um Gottes willen?«, fragte Erwin Kaeß.

Fortsetzung im Buch

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