Zeit der Veränderungen

[…] Finanziell stand Erwin Kaeß sehr gut da. Die Wohnung in Tettnang hatte er längst verkauft. Mit kleinem Gewinn nur, denn die Lage war nicht die beste. Erdgeschoss, Nordseite, also schattig. Aus der Bahnhofstraße war er auch ausgezogen, dort wohnte jetzt der Käufer des Ladens. Neues Domizil von Heidi und Erwin war eine Eigentumswohnung in der Seestraße. Allerbeste Lage in Langenargen. Sie hätten sich auch ein Haus mit Garten oder Park leisten können, das hätte aber zu viel Arbeit gemacht, und von der hatten sie anderweitig noch genug. Die Diskothek am Laufen zu halten, reichte ihnen.

Außerdem war Erwin Kaeß nun auch damit beschäftigt, sein Geld zu vermehren. Wie man das am besten macht, hatte er in verschiedenen Kursen und Seminaren gelernt. Unter anderem bei André Costolany, dem Börsen- und Finanzguru, der sagte: »Legen Sie nie Geld bei jemandem an, der Ihnen fantastische Zinssätze verspricht.« Diesen Rat nahm Erwin Kaeß sich zu Herzen. Er gab sein Geld nicht in andere Hände, sondern suchte sich seine Anlageprojekte selbst. Tipps dazu gab ihm sein Banker, Klaus Gallist, mit dem er seit Jahren freundschaftlich verbunden ist. Und Gallist empfahl: »Kauf Immobilien. Und zwar Immobilien in Toplagen.« Um solche Projekte an Land zu ziehen, hatte Gallist auch eine Idee, er brachte den mittlerweile Golf spielenden Erwin Kaeß bei einer sportlichen Runde mit Jürgen Gaschler zusammen. Gaschler war Geschäftsführer einer Bauträgergesellschaft, suchte deutschlandweit Grundstücke in guten Lagen, baute Super- und Fachmärkte darauf und vermietete sie an Firmen wie Aldi, Edeka, Rewe und andere Einzel- und Großhandelsketten. Für die Finanzierung seiner Bauprojekte brauchte Gaschler Investoren, und einer dieser Investoren wurde Erwin Kaeß.

Sein erstes Projekt war ein Supermarkt in Aachen. Die Investition betrug 350.000 Mark, der Verkauf einige Jahre später brachte nahezu dieselbe Summe ein, aber in Euro. Auf diese Weise ergab sich ein Projekt nach dem anderen. Ein Supermarkt hier, eine Halle dort, Erwin Kaeß entwickelte ein Händchen für gute, also einträgliche Investitionen. Und immer kam es dabei auf drei Dinge an. Erstens: Die Lage. Zweitens: Die Lage. Drittens: Die Lage. Dass bei jedem Objekt auch ein Risiko einzukalkulieren war, wusste er. Doch mit seinem feinen Gespür für Marktentwicklung und dem nötigen Quäntchen Glück verlor er kein Geld, sondern verkaufte alle Objekte mit Gewinn. Oft erzielte er das Doppelte des Kaufpreises, manchmal auch mehr.

Fortsetzung im Buch